Elternzeit gleich Karriereknick. Diese Gleichung ist noch immer in vielen Köpfen verankert. Dass aber gerade die Erfahrungen, die du in der Elternzeit und durch das Mama-Sein machst, sehr wertvoll für deine weitere berufliche Entwicklung sind, davon redet fast niemand. Nach 13 Monaten als „nur“ Mama, bin ich davon überzeugt, dass ich in dieser Zeit neben Windel wechseln, Kinderliedern und Babybrei kochen auch so einiges gelernt habe, was mich im Job weiterbringen wird.

1. Prioritäten setzen

Auch als Mama hat der Tag leider nur 24 Stunden. Ziemlich unfair eigentlich… Denn zu den Dingen, die schon vor dem Mama-Dasein da waren, wie Haushalt, Einkauf, Partnerschaft, Freundschaften, kommt plötzlich noch ein Minimenschlein, das am liebsten den gesamten Tag (und oft auch noch nachts) die ungeteilte Aufmerksamkeit hätte. Wer da nicht lernt, Prioritäten zu setzen, geht ganz schnell unter. Genau das kann dir auch im Job helfen. Multitasking schön und gut, aber seien wir mal ehrlich: Wer seine Aufgaben nacheinander abarbeitet, wichtiges von unwichtigem trennen und auch mal „Nein“ sagen kann, kommt häufig schneller ans Ziel.

2. Gelassenheit

Der kleine Mann oder die kleine Frau klammert sich an dein Bein während du versuchst das Abendbrot vorzubereiten? Oder ein filmreifer Schreianfall in der Buchhandlung? Situationen wie diese kennt wohl jede Mama. Wer dabei gelassen bleibt und nicht in Stress gerät, hat schon einmal viel gewonnen. Im Job gilt das gleiche. Auf den letzten Drücker gibt es doch noch eine Änderung an einem eigentlich abgeschlossenen Projekt? Kurzfristig sagt ein Redner für ein Event ab? Einmal tief durchatmen, neu sortieren, eine Lösung finden. Denn hektisch oder gar wütend werden, bringt dich hier genauso wenig weiter, wie bei deinem Kind.

3. Kreatives Denken

Kinder müssen alles neu lernen, alles neu entdecken. Sie dabei zu begleiten ist für mich eines der schönsten Dinge am Mama-Sein. Sie probieren Dinge aus, scheitern, fallen hin, probieren es wieder und wieder bis es funktioniert. Sie finden unkonventionelle Lösungen und sehen Details für die wir Erwachsenen schon längst den Blick verloren haben. Mit dieser Einstellung kannst du es auch im Job weit bringen. Also setzt ruhig auch da immer mal wieder die Kinderbrille auf: Hinterfrag Dinge, die „schon immer“ so gemacht wurden, denk um die Ecke, verlass die altbekannten Wege.

4. Effizienz

Ich glaube das kennt jede Mama: Das Kind schläft, endlich Zeit für die immer länger werdende ToDo-Liste. Schnell eine E-Mail schreiben, Spülmaschine ausräumen, Essen kochen…. Und das alles gegen die Uhr, denn wie lange der Krümel schläft, weiß man nie so genau. Im Job ist es für viele berufstätige Mütter genauso: Noch schnell ein Telefonat führen, ein Meeting vorbereiten oder eine Präsentation fertigstellen, bevor man mit wehenden Fahnen das Büro verlässt, um das Kind pünktlich aus dem Kindergarten oder von der Schule abzuholen. Das Kuriose daran: Oft schafft man so in einer 30 Stundenwoche fast genauso viel wie in der „Vor-Kind-Zeit“ in 40 Stunden.

5. Spontanität

Mit Kindern ist nichts so sicher, als dass es sicher anders kommt als geplant. Spontane Planänderungen gehören deshalb zum Mama-Alltag einfach dazu. Egal ob die volle Windel oder die spontane Stillmahlzeit, die die weitere Zeitplanung über den Haufen werfen, oder die wechselhaften Launen eines Kleinkindes, auf die du von einer Minute auf die andere entsprechend reagieren musst. Auch im Job wird dich Unvorhergesehenes nicht so schnell aus der Bahn werfen. Als Mama bist du es gewöhnt immer einen Plan B oder C in der Tasche zu haben. Schnell umdenken und weiter geht’s.

Gründe genug, die Elternzeit nicht als Manko im Lebenslauf zu sehen, sondern als Soft Skills Bootcamp – und das sogar kostenlos. Oder was denkst du? Was hast du in der Elternzeit für deinen Job gelernt?

Dieser Artikel ist zuerst als Gastbeitrag auf www.mamihelden.de erschienen.

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